ENDBERICHT UEBER DIE KASTRATIONSAKTION IN
SAN GIORGIO DEL SANNIO
VOM DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUND E.V. IN BONN FINANZIERT
 
DEZEMBER 2005

 

Im Dezember 2004 wurde unser Projektvorschlag vom Deutschen Tierschutzbund bewilligt und wir konnten unsere Sterilisations- und Kontrollaktion in San Giorgio del Sannio, einen Ort in der Provinz von Benevento mit circa 10.000 Einwohnern beginnen. Trotz anfaenglicher Schwierigkeiten, insbesonders mit den lokalen freiberuflichen und amtlichen Tieraerzten, konnten bereits im Dezember 2004 197 Tiere unfruchtbar gemacht werden. 66 Hunde (57 weibliche und 9 maennliche) und 131 Katzen (86 weibliche und 45 maennliche) wurden von Mitgliedern der Lega per la Difesa del Cane („Lega zum Schutz des Hundes“) und einem unserer Mitarbeiter im Ort selber und den umliegenden Gehoeften eingefangen und zu unserer Tierambulanz verbracht, die im alten Schlachthof von San Giorgio stationiert war.

 

Der Buergermeister von San Giorgio wurde von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt und es gingen Geruechte um, dass die Kastrationsaktion im Jahre 2005 vermutlich nicht fortgesetzt werden koennte. Am 25. Februar wurde ich zu einem Schulfest eingeladen: die Kinder der Mittelschule von San Giorgio haben ihre Ablschussarbeiten in Sachen Tierschutz praesentiert: Gemaelde, Gedichte, Lieder. Diese Aktivitaeten sind dem unermuedlichen Einsatz der Mitglieder der Lega per la Difesa del Cane von San Giorgio zu verdanken. Der Buergermeister sass neben mir und ich konnte ihn davon ueberzeugen die Kontrollaktion wieder aufzunehmen. Sofort nach dem Schulfest haben wir im Rathaus die Sache schriftlich bestaetigt.

 

Ab 23. Maerz haben wir erneut unsere Tierambulanz im alten Schlachthoft stationiert und haben dort bis einschliesslich 09-05-2005 weitere 226 Tiere kastriert (152 Hunde: 123 weibliche; 29 maennliche und 74 Katzen: 49 weibliche; 25 maennliche).

Aber auch der wichtigste Teil unseres Projektes konnte beginnen: die Kontrolle der privaten Hunde. Seit 1991 besteht in Italien die Identifizier- und Registrierpflicht fuer Hunde. Anfaenglich wurden die Tiere durch eine Taetowierung identifiziert. Nachdem sich herausgestellt hat, dass einige der auf der Strasse aufgegriffenen Tiere zwar taetowiert waren, aber die Taetowierung nicht mehr lesbar war, konnte ich die Regierung von Campanien schon im Jahre 1997 von der Wichtigkeit der eindeutigen Identifizierung per Microchip ueberzeugen. Seit 1.12.1997 wird in der Region Campanien nur noch dieser verwendet: 7 Jahre bevor die EU die allgemeine Microchip-Pflicht eingefuehrt hat.
Fuer die Kontrollaktion habe ich 5 Tieraerzte engagiert, die anfaenglich zusammen mit der Stadtpolizei, bald dann in eigener Regie, in San Giorgio und den zugehoerigen Aussenbezirken von Haus zu Haus, von Hof zu Hof zogen, um alle Tiere zu erfassen. Hunde, die noch nicht identifiziert waren, wurden, wenn der Besitzer zustimmte, sofort mit einem Microchip versehen und die Daten an das zustaendige Veterinaeramt weitergeleitet. Eine Liste der Einwohner, die sich weigerte den eigenen Hund kontrollieren oder chippen zu lassen, wurde ebenfalls den zustaendigen Behoerden weitergeleitet. Die Tieraerzte wurden pro Kontrolle mit oder ohne Implantation eines Microchips bezahlt (Euro 5,00 pro Kontrolle). Sie mussten einen Fragebogen ausfuellen, der nicht nur die Daten des kontrollierten Hundes und seines Besitzers erfasste, sondern auch die Praesenz von eventuellen Strassentieren (Hunden und Katzen). Die Besitzer der Hunde wurden darueberhinaus ueber ihre Meinung zur Sterilisation befragt und besonders ob der eigene Hund bereits sterilisiert war.

 

Es wurden insgesamt 1027 Frageboegen ausgefuellt und ausgearbeitet. 623 Besitzer von Hunden waren bereit unsere Fragen zu beantworten. Nur 264 der Hunde (=42,3 %) war bereits registriert, die anderen 359 Hunde wurden an Ort und Stelle gechippt und die Daten an die zustaendigen Behoerden weitergeleitet.

 

Verhaeltnis Registration

 

 

Sehr auffaellig war, dass das Verhaeltnis zwischen Maennchen und Weibchen nicht ausgeglichen war:

 

Geschlecht

 

 

Italienische Staatsbuerger haben schon immer maennliche Welpen bevorzugt. Vermutlich weil diese keinen Nachwuchs liefern. Die weiblichen Tiere eines Wurfes enden oft in Tierheimen oder auf der Strasse, wo sie sich dann weiter vermehren.
 
Interessant ist auch der Anteil der Rassehunde, die wir in den Haushalten gefunden haben:

 

 

Circa ein Drittel der Privattiere sind reinrassige Tiere: der Deutsche Schaeferhund ist dabei der Renner der grosswuechsigen Rassen und der Yorkshire bei den kleinwuechsigen.
 

 
Ausgeglichen verteilt waren auf der anderen Seite die kleinen, mittelgrossen und grossen Hunde (Rasse und nicht):

 

 

Auch das Alter der Privattiere kann Aufschluss ueber das Verhalten der Hundebesitzer geben:

 

 

Wir haben wenige Welpen und Jungtiere gefunden; Tiere der anderen Altersstufen waren fast in gleichen Nummern vorhanden.
 
Nur 140 der Privattiere waren schon kastriert. Die Meinung der Bevoelkerung ueber die Kastration ist nicht so positiv ausgefallen, wie ich mir das gewuenscht haette:

 

 

366 der Hundebesitzer (fast 60 %) haben sich kategorisch gegen die Kastration ausgesprochen. Es ging hier nicht darum, ob das Tier reinrassig oder ein Mischling war (nur knapp ueber ein Drittel der Tiere in der Umfrage waren reinrassig), die prinzipielle Meinung der Bevoelkerung ist gegen die Kastration! 35 (fast 6 %) wussten nicht, wie sie antworten sollten, 74 (fast 12 %) haben erklaert, dass sie ihren Hund schon kastrieren lassen wuerden, aber nur wenn sie nichts dafuer bezahlen muessten. 8 Besitzer (knapp ueber 1 %) meinten, dass es schon gut waere, die Hunde zu kastrieren.
 
112 Besitzer von Hunden weigerten sich, dass unsere Tieraerzte ihre Tiere kontrollierten und haben auch die Fragen unserer Umfrage nicht beantwortet. In 14 Haushalten mit Hunden war auch bei wiederholten Besuchen niemals jemand anwesend.
 
111 Strassenhunde (12 bereits kastriert) wurden gezaehlt, und 55 Strassenkatzen. Nicht beruecksichtig bei dieser Umfrage wurden die die Hunde und Katzen, die waehrend der Kastrationsaktion kastriert worden sind.
 

 
Waehrend und nach der Haus-zu-Haus-Kontroll Aktion haben sich noch viele Buerger an unsere Organisation oder an die Lega per la Difesa del Cane gewendet, um noch weitere Hunde und Katzen in ihrer Gegend sterilisieren zu lassen und wir haben zugestimmt, dass die Mitglieder der Lega per la Difesa del Cane diese Tiere in unser Zentrum nach Castel Volturno fuer die kostenlose Operation bringen durften. Es wurden weitere 24 Tiere kastriert (19 Hunde: 18 weibliche, 1 maennlicher und 5 weibliche Katzen.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Insgesamt wurden somit waehrend 10-monatiger Taetigkeit mit Unterbrechungen 447 Tiere unfruchtbar gemacht und 570 Hunde mit einem Microchip vesehen. Ich wuerde das Projekt als gelungen bezeichnen. Ideal waere, dass eine Kastrationsstation vor Ort mindestens ein paar Tage in der Woche kostenlose Operationen fuer Hunde und Katzen anbietet, da die Anzahl der Tiere in einer Population nicht konstant ist, weil staendig neue Tiere ausgesetzt werden oder und es wandern auch Tiere aus den umliegenden Gemeinden zu. Viele der Privattiere sind nicht kastriert und es werden sicherlich unerwuenschte Welpen geboren, von denen einige auf die allgemeine italienische Weise „entsorgt“ werden. Nur staendige Ueberwachung eines Gebietes und konstantes Kastrieren der Neuzugaenge fuehrt zu einem dauerndem Erfolg: immer weniger Strassentiere und geringe Anzahl von Hunden in Tierheimen, die auch – wie in Deutschland – vermittelt werden koennen.

 

Ich moechte dem Deutschen Tierschutzbund e.V. in Bonn im Namen der Lega Pro Animale, der Lega per la Difesa del Cane und dem Buergermeister von San Giorgio und natuerlich in Vertretung aller Tiere, denen geholfen werden konnte, meinen allerherzlichsten Dank fuer die Finanzierung dieses Projektes danken. Die Buerger von San Giorgio haben das Projekt sehr positiv aufgenommen und die Buergermeister der umliegenden Gemeinden haben schon in San Giorgio nachgefragt, wie sie es anstellen muessen, dass bei ihnen ein aehnliches Projekt anfaengt. Sie wurden an die zustaendigen Veterinaeraemter verwiesen, die dem italienischen Gesetz nach kostenlose Kastrationen fuer Strassentiere anbieten muessten. Wir koennen nur hoffen, dass sie endlich damit anfangen (das Gesetz ist vor 16 Jahren verabschiedet worden!).

 


 
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