|
DIE TREMITI INSELN UND DIE STRASSENKATZEN…..
Die Tierschutzorganisation LEAL, mit Hauptsitz in Mailand, hat uns kontaktiert und angefragt, ob wir nicht auch die Strassenkatzen auf den Tremiti Inseln kastrieren koennten. Mit Mitgliedern dieser Organisation hatten wir schon bestens in Civitavecchia zusammengearbeitet. Sie wollten auch die Kosten fuer die Ueberfahrt der Fahrzeuge und Unterkunft und Verpflegung des LEGA RPO ANIMALE Teams uebernehmen. Ich habe zugesagt und am 4. Oktober 2007 um 03.30 in der Frueh starteten wir von Castel Volturno zu den Tremiti Inseln. Es handelt sich um 5 Inseln, von denen nur 2 bewohnt sind, die sich westlich vom Gargano befinden und zur Region Apulien gehoeren. Die Inseln leben hauptsaechlich vom Tourismus und nur wenige Personen bleiben ganzjaehrig dort (darunter kein einziger Tierarzt!) und wahrscheinlich ist die Anzahl der Strassenkatzen im Winter hoeher als die der menschlichen Bewohner: Katzen ueberall, eine Katzenfamilie um fast jeden einzelnen Abfallcontainer. Und wie so oft in Gebieten mit Touristen spielt die Natur ihre gnadenlose Streiche: im Sommer finden die Tiere einen reich gedeckten Tisch, die Geburtenrate steigt immens an. Im Winter verhungert ein grosser Teil dieser Tiere. Bewohner der Insel haben uns dann noch erzaehlt, dass die Seemoeven ihren Teil dazu beitragen, dass die Katzenschwemme nicht ueberhand nimmt: sie stuerzen vom Himmel und holen sich die Kaetzchen um sie zu zerreissen und zu fressen. Eine der vielen Gruende, die den Praesidenten der LEAL veranlasst hat den Buergermeister von der Kastrationsaktion zu ueberzeugen. Unser Kastrationsmobil darf nur dann in Aktion treten (auch wenn wir unseren Service kostenlos anbieten!), wenn der Buergermeister per Gemeinderatsbeschluss schriftlich anordnet, dass unsere Tierambulanz fuer diesen Zweck in seiner Gemeinde benutzt werden darf. Italien hat ein neues Gesetz erlassen, welches mobile Tierpraxen verbietet. Aus diesem Grunde sind wir im Jahre 2007 noch nicht sehr oft unterwegs gewesen. Die Buergermeister trauen sich nicht, gegen das Gesetz zu entscheiden, auch wenn unser Einsatz das Problem mit Strassentieren in ihrer Gemeinde loesen wuerde.
Nach fast 4 Stunden Fahrt haben wir dann unsere grosse Tierambulanz und ein kleineres Fahrzeug zum Einfangen der Tiere bestimmt, auf die Faehre in Termoli eingeschifft und nach circa 1 1\2 Stunden sind wir auf der Insel San Domino angekommen. Ein Gemeinderat hat uns erwartet und uns zu einem Gebaeude der Gemeinde gebracht, welches wir fuer unsere Arbeit verwenden konnten. Hier werden die Katzen in Narkose gelegt, fuer die Operation vorbereitet, die dann im Kastrationsmobil ausgefuehrt wird. Hier koennen die Tiere nach dem Eingriff auch in Einzelkaefigen mit warmen Deckchen fuer eine Nacht ihren Narkoserausch ausschlafen. Am naechsten Morgen werden sie dann wieder in die Freiheit entlassen.
Normalerweise uebernimmt das Team der LEGA PRO ANIMALE nur die chirurgische Versorgung der Tiere. Auf den Tremiti Inseln erwartet uns die grosse Ueberraschung: wir mussten auch das Einfangen und Wiederaussetzen der Tiere uebernehmen, die Nachsorge, das Reinigen der Kaefige, einfach alles. Gottseidank waren ausser den 2 Tieraerzten der LEGA (Dorothea Friz und Giuliano Santamaria) auch noch 2 freiwillige Helfer dabei: Dora und Ambra. Ein anderes Problem: die Bevoelkerung war nicht auf unsere Arbeit vorbereitet. Wir wussten gar nicht, wo und wie wir anfangen sollten. Die Besitzerin des Hotels schenkte un seine Landkarte der Insel und ich machte mich mit Ambra auf, um die Insel zu erforschen. Schon am ersten Muellcontainer befanden sich Katzen und wir wollten die Fallen aufstellen. Ein Herr kam aus einer Villa und fing an zu schimpfen, dass in dieser Welt wohl Geld ausgegeben wird fuer Tiere (auf unser Fangauto weisend, welches von der AISPA in England gesponsort ist und das ist auf dem Auto aufgedruckt!) wo doch so viele Kinder hungern wuerden. Ich fragte ihn, was er denn fuer Kinder mache und erklaerte, dass ich nun mal Tierarzt bin und mit diesem Beruf nicht viel fuer Kinder tun koenne. Zum anderen versuchte ich zu erklaeren, dass es auch den Menschen zugute kommt, wenn keine Strassentiere mehr im Muell wuehlen wuerden. Und wir haben die Fallen aufgestellt und sind weggefahren. Nach einer Stunde haben wir die Fallen geschlossen gefunden, ohne Katzen darinnen. Vermutlich hat dieser nette Herr die eingefangenen Katzen befreit. Das ist auch an anderei Orten der Insel passiert und 2 der teuren Fallen sind einfach gestohlen worden. Trotzdem dieser Zwischenfaelle war die Zusammenarbeit mit der Bevoelkerung relative gut und einige der Insulaner hat uns erlaubt, die Fallen im eigenen Garten aufzubauen, damit die Leute das Einfangen nicht stoeren konnten.
Am 2. Tag hat der Autoklav, der unermuedlich arbeiten musste, um unsere chirurgischen Instrumente und die Abdecktuecher (aus alten Bettlaken!) zu sterilisieren, seinen Geist aufgegeben. Schuld waren vermutlich die schwankenden Stromverhaeltnisse auf der Insel. Zwei andere freiwillige Helfer der LEGA PRO ANIMALE haben sich mit 2 weiteren Autoklaven von Castel Volturno auf den Weg nach Termoli gemacht, sie auf der Faehre deponiert und am naechsten Morgen konnten wir mit allen unseren Energien wieder unsere Arbeit aufnehmen.
Zum richtigen Abenteuer wurde dann das Einfangen der Katzen auf der anderen Insel San Nicola. Alle 2 Stunden und nur bis 14.00 Uhr befoerdert ein kleines offenes Schiff Leute und Gueter von einer Insel zur anderen und wieder zurueck. Die Ueberfahrt dauert etwas 10 Minuten. Am 3. Tag unseres Aufenthaltes, um 8 Uhr morgens haben wir alle 45 Fallen auf das Schiff verladen und auf der anderei Insel ans Ufer gesetzt. Zum Glueck haben alle Fahrgaeste und Arbeiter im Hafen geholfen. Nur der Besitzer des Schiffes war offensichtlich nicht gerade angetan von unserem Tun. Er erwiderte nie unseren morgentlichen Gruss und kein Laecheln entwrang sich seinen Lippen. Seltsamerweise war er ein Mitglied des Gemeinderates und haette froh und dankbar sein sollen ueber unseren Einsatz. Haben wir nicht einen enormen Beitrag geleistet, die allgemeine Gesundheit auf der Insel zu verbessern? Auf die Inseln kommen tausende von Touristen und nicht alle der Tiere waren gesund. 3 Tierschutzorganisationen sind fuer die Kosten der Aktion aufgekommen, darunter eine aus England (The Anglo-Italian Society for the Protection of Animals = AISPA)……..
Am naechsten Tag haben wir die operierten Katzen wieder eingeschifft und auf ihre Insel San Nicola zurueck gebracht. Esterina, eine Katzenbetreuerin hatte dort in der Nacht die anderen Tiere zum Kastrieren eingefangen. Fliegender Wechsel von Kaefigen und Fallen und zurueck zur Insel San Dominio. Zu allem Ueberfluss hat es auch noch angefangen zu regnen: Katzen und freiwillige Helfer waren nass bis auf die Haut.
Das Risultat kann sich sehen lassen. Trotz all dieser Schwierigkeiten haben wir 179 Katzen auf der Insel San Dominio eingefangen und 49 auf San Nicola. Eine aeltere Katze musste human erloest werden, ein riesiger Tumor hatte schon den halben Kopf des armen Tieres zerstoert. Ein blindes Kaetzchen wurde von Dora, einer unserer freiwilligen Helfer adoptiert. Eine weitere rote weibliche Katze hatte grosse haarlose Stellen und wir haben sie nicht wieder aussetzen wollen und nach Castel Volturno verbracht.
|
Alter
|
weiblich
|
männlich
|
|
0-4
Monate
|
27
|
20
|
|
5-12
Monate
|
18
|
21
|
|
1-3
Jahre
|
36
|
26
|
|
4-7
Jahre
|
27
|
29
|
|
über
8 Jahre
|
10
|
14
|
|
total
|
118
|
110
|
Alle anderei Katzen (225), einschliesslich der vielen Kaetzchen im Alter unter 4 Monaten, sind nach der Kastration am naechsten Tag wieder ausgesetzt worden. 5 Katzen auf San Nicola und circa 15 auf San Dominio haben sich erfolgreich unserer Aktion entzogen. Einige der Besitzer von Katzen haben erklaert, dass man ja nicht alle Tiere kastrieren koenne und ihre eigenen Tiere wuerden dafuer sorgen, dass die Katzen auf den Inseln nicht aussterben! Trotzdem waere es ratsam im Fruehling eine Kontrollwoche einzuplanen. Alle kastrierten Katzen haben einen gruennen Taetowierungspunkt im Ohr und wir hoffen, den Rest der Tiere einzufangen zu koennen. Vielleicht ist dann auch der Rest der Inselbewohner davon ueberzeugt, dass kastrierte Tiere einfach gesuender leben und bessere Chancen haben.
|